Wie bin ich authentisch? In dem du gar nicht erst versuchst es zu sein!

Authentisch sollst du sein, du und dein Content, deine Kommunikation, dein Auftreten. Ganz ehrlich, offen, immer auf die nackte Wahrheit getrimmt (aber Vorsicht: auf sozialen Medien bitte nicht allzu nackt). „Verhalte dich so wie du bist und alles andere kommt von alleine“, lautet die banale Zusammenfassung aller Tipps, die da draußen herumschwirren wie freie Radikale und nur darauf warten den nächsten Charakter, das nächste Produkt, die nächste Idee zu zerstören. Ich verrate dir ein kleines Geheimnis: Authentisch bist du, wenn du es erst gar nicht versuchst zu sein.

Anti-Authentizität als Erfolg zur Authentizität? Hä?

Klingt furchtbar komplex, wenn man es so formuliert. Einfach ausgedrückt: Sobald du versuchst du selbst zu sein, beginnst du unterbewusst Verhaltensweisen an den Tag zu legen, denen du im Alltag üblicherweise keine Aufmerksamkeit schenkst. Du beginnst auf deine Körperhaltung zu achten, auf deine Rhetorik, auf deine Aussagen und selbst dein Aussehen wird Teil dieser Scharade, die du dann als Authentizität verkaufst. Ganz egal ob es du als Person bist, deine Marke oder dein Unternehmen.

Menschen erkennen, wenn du dich verstellst. Sie wissen vielleicht nicht auf Anhieb, was falsch ist, aber sie erkennen, dass irgendetwas an deinem Auftritt sie stört. Das kommt davon, wenn man sich sprichwörtlich „zusammenreißt“.

Hast du sicher schon selbst erlebt: Eine wichtige Präsentation, das Meeting mit dem Chef, die Aussprache mit dem Partner – man geht alles Tausende Male im Kopf durch, man überlegt wie man sich verhalten soll, was man sagen soll und welche Reaktion man im Anschluss darauf erhält…und so weiter. Das Spiel kann in Endlosschleife gespielt werden. Nur: Es kommt meistens sowieso ganz anders. Warum? Weil das verkrampfte Festhalten an einer eingebildeten Authentizität alles nur schlimmer macht. Wenn man eben mal „die Meinung sagen will“, kann man sich sicher sein, dass man es zu 99 Prozent nicht tun wird.

Krampflos!

Wenn du wissen willst, wie sich krampfloses Verhalten anfühlt, versuche dir deine Situation(en) bewusst zu machen, wenn du dich in Alltags-Routinen befindest. Im Privaten: Beim Bier mit Freunden, beim Kuscheln auf der Couch, beim Kochen mit dem Partner…name it, du hast die Wahl. Dort wo du dich am wohlsten fühlst, da musst du kurz inne halten – dann weißt du, was authentisch ist und wie sich dieser Zustand anfühlt.

Ist doch alles Blödsinn weil privat ist ungleich beruflich?

Beruf und Privatleben muss man ganz klar trennen. Was die Prozesse betrifft ja, aber Vorsicht mit der Generalität der Aussage, über die schon viele gestolpert sind. Die meisten Menschen sind nach wie vor der Ansicht, dass man privates und berufliches Verhalten ebenso voneinander trennen kann. Das ist nicht der Fall. Das eine beeinflusst das andere permanent. Du kannst dein Firmen-Smartphone ausschalten, aber der Streit vom Vorabend wird sicher nicht beim Morgenmeeting vergessen sein.

Schon alleine aus Kommunikationspsychologischer und psychologischer Sicht wäre es Unsinn zu behaupten, man kann von einer Sekunde auf die andere in eine andere Charakterrolle schlüpfen. Wenn doch, dann ist das kein Grund zum Jubeln, sondern eher einer eine Therapie zu beginnen. Aber ich schweife ab. Zurück zum Thema: Du fragst dich möglicherweise oft, was deine privaten Dinge im Berufsalltag verloren haben sollen und wie du sie überhaupt dafür nutzen kannst. Ganz einfach: Mach dir dein Selbstbewusstsein aus deiner Freizeit für den Beruf zu Nutze (und das gilt natürlich auch umgekehrt).

Um hier den Bogen zum authentischen Auftreten zu spannen: Versuche nichts zu verstecken. Sei wer du bist und stehe auch zu Fehlern und Unsicherheiten. Jeder Mensch hat irgendwelche davon und soziale, empathische Zeitgenossen werden eher Sympathie entwickeln, wenn sie merken, dass du ihnen diesbezüglich nichts vormachen willst. Egal ob das ein Versprecher bei einem Vortrag ist, oder eine Produktionsserie, die du gerade einstampfen musstest. Gerade Unternehmen verkennen oft den Wert der Wahrheit und übersehen die Sympathie, die das Zugeben von Fehlern mit sich bringen kann. Die meisten sind – und hier schließt sich der Kreis zu Einzelpersonen – viel zu sehr damit beschäftigt ihre Schattenseiten zu vertuschen bzw. einen Weg zu finden, diese zu übertünchen.

Fazit: Niemand verlangt von dir einen Seelenstrip und dass du dein Innerstes nach Außen kehrst. In Social Media-Zeiten, in denen alles und jeder glattgebügelt sein möchte, wollen viele Menschen wieder Ecken und Kanten sehen, das was hinter den Kulissen passiert. Also: Authentisch bist DU. Ohne wenn.